top of page

Führerschein in Deutschland: Warum es für viele Menschen so schwer ist

  • 30. März
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Mai

Ich bin seit 15 Jahren Fahrlehrerin – in Fahrschulen, die mit dem Jobcenter und der Agentur für Arbeit zusammenarbeiten und als sogenannte Bildungsträger tätig sind.

Jedes Jahr werden bei uns viele Menschen ausgebildet, um später als Berufskraftfahrer zu arbeiten und ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das betrifft nicht nur die großen Klassen wie Lkw und Bus, sondern auch die „kleine“ Klasse – den Pkw-Führerschein.


Zum Glück entscheiden sich viele Menschen dafür, sich beispielsweise als Pflegekräfte oder Paketlieferanten ausbilden zu lassen. In diesen Berufen ist ein Führerschein in den meisten Fällen Voraussetzung.

Viele meiner Fahrschüler stammen ursprünglich nicht aus Deutschland. Sie mussten flüchten oder haben aus anderen Gründen ihr Land verlassen und versuchen nun, sich hier ein neues Leben aufzubauen.

Einen Führerschein in einem fremden Land zu machen, ist eine besonders große Herausforderung.


Auch wenn das Fahren für jede Person am Anfang neu und nicht ganz einfach ist, hat man als Mensch, der hier aufgewachsen ist, dennoch schon ein gewisses Grundverständnis für den Straßenverkehr. Man kennt viele Regeln – selbst dann, wenn man noch nie selbst gefahren ist.


Für Menschen, die nicht hier aufgewachsen sind, ist das oft ganz anders. Für sie wirkt vieles neu, ungewohnt und teilweise auch befremdlich.

Es ist nicht nur das komplexe deutsche Verkehrssystem mit seinen vielen Regeln, das Angst machen kann.Hinzu kommt häufig auch die sprachliche Hürde.

Anweisungen des Fahrlehrers oder Verkehrsschilder werden zwar wahrgenommen – müssen aber oft zunächst im Kopf in die eigene Sprache übersetzt werden, bevor man reagieren kann.


Und was passiert in dieser Zeit?

Der Verkehr läuft weiter. Entscheidungen müssen trotzdem getroffen werden. Und plötzlich ist eine Fahraufgabe nicht vollständig umgesetzt oder man hat sich verfahren.

Das erzeugt bei vielen Fahrschülern einen enormen Druck – unabhängig von Alter oder Geschlecht.

Ein weiteres Problem ist, dass dieses Dilemma von außen nicht immer erkannt wird. Manche Fahrschüler haben deshalb Angst, als „nicht intelligent genug“ abgestempelt zu werden.


Wenn Angst entsteht, die niemand sieht


Das erhöht die Angst vor den Fahrstunden oft enorm.

Und an wen soll man sich wenden?

Schon der erste Schritt ist schwierig: sich selbst einzugestehen, dass man überfordert ist oder Angst hat. Und dann soll man das auch noch dem Fahrlehrer erklären – in einer Sprache, in der man sich vielleicht noch gar nicht richtig ausdrücken kann.


Das ist für viele Menschen kaum möglich.

Was bleibt, ist oft eine große innere Anspannung vor jeder Fahrstunde. Diese wird dann unterdrückt, ausgehalten oder überspielt – und genau das erschwert das Lernen erheblich.

Denn unter Stress lernt unser Gehirn deutlich schlechter.

Zusätzlich entwickelt sich bei vielen eine Form von Scham.

Das Gefühl, nicht gut genug zu sein.

Und das ist ein sehr belastendes Gefühl, das Menschen hemmt und sie daran hindert, ihr eigentliches Potenzial zu entfalten.


Ein wichtiger Gedanke zum Schluss


Aus meiner eigenen Erfahrung in der Ausbildung mit hunderten von Menschen aus unterschiedlichsten Ländern kann ich eines ganz klar sagen:

Das hat nichts mit Intelligenz zu tun.

Jeder, der hier vorschnell urteilt, sollte sich einmal vorstellen, selbst in einem fremden Land – zum Beispiel im Iran oder in Afghanistan – einen Führerschein zu machen.

Ich persönlich würde mir das nicht zutrauen.

Deshalb habe ich großen Respekt vor jedem Menschen, der diesen Weg geht.



Wenn du Angst vor Fahrstunden hast, lies unbedingt diesen Artikel :





 
 
bottom of page