Warum haben so viele Menschen Angst vor dem Autofahren?
- 9. März
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Mai
Was ist Fahrangst?
Fahrangst beschreibt ein Gefühl von Unsicherheit, Nervosität oder sogar starker Angst beim Autofahren oder bereits beim Gedanken daran. Sie kann während der Fahrausbildung entstehen, nach einem Unfall auftreten oder sich auch ohne ein konkretes Ereignis entwickeln. Viele Menschen erleben Fahrangst nur in bestimmten Situationen, zum Beispiel auf der Autobahn, im dichten Stadtverkehr oder bei hohen Geschwindigkeiten.
Du wirst es vielleicht nicht glauben, aber du bist bei Weitem nicht die einzige Person, die sich im Straßenverkehr unwohl fühlt oder Angst beim Autofahren hat.
Studien zeigen, dass über 50 % aller Autofahrer angeben, zumindest gelegentlich Unsicherheit oder Angst beim Autofahren zu erleben. Immerhin etwa 16 % berichten sogar von mittlerer bis starker Angst.¹
Das bedeutet: Auch viele Menschen, die den aufregenden Weg des Führerscheinerwerbs bereits hinter sich haben und eigentlich Auto fahren könnten, trauen sich nach der Fahrschule oft nicht mehr ans Steuer.
Während der Fahrausbildung war immerhin noch eine zweite, erfahrene Person im Auto. Jemand, der im Ernstfall eingreifen könnte. Man war also nicht völlig auf sich allein gestellt.
Und Autofahren bedeutet tatsächlich auch Verantwortung – für sich selbst und für andere.
Man bewegt ein schweres Fahrzeug mit teilweise hoher Geschwindigkeit durch den Straßenverkehr. Fehler können Konsequenzen haben und natürlich möchte niemand einer anderen Person Schaden zufügen.
Aber bevor ich dir hier noch mehr Angst einrede, schauen wir lieber auf die Dinge, die Menschen mit Fahrangst leider oft (noch) nicht so richtig wahrnehmen können.
Denn wenn es gelingt, die Angst ein kleines Stück beiseite zu schieben, entsteht auch wieder Raum für die angenehmen Seiten des Autofahrens.
Die schönen Seiten des Autofahrens
Für viele Menschen bedeutet Autofahren vor allem Freiheit und Unabhängigkeit.
Du kannst selbst entscheiden, ob du jetzt in dein Auto steigst und losfährst – oder eben nicht. Egal ob es spät ist, ob es regnet, schneit oder die Sonne scheint.
Du kannst Orte besuchen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwer erreichbar sind. Und letztendlich bedeutet mobil zu sein oft auch ein Stück mehr Selbstständigkeit im Alltag.
Viele Menschen verbinden Autofahren auch mit positiven Dingen wie Reisen, Ausflügen oder spontanen Unternehmungen.
Warum fühlt sich Autofahren dann trotzdem so schwer an?
Gerade am Anfang bedeutet Autofahren, auf sehr viele Dinge gleichzeitig zu achten.
Zum Beispiel:
Spiegel beobachten
Verkehrszeichen erkennen
Geschwindigkeit anpassen
Blinken
Schalten
Abstände einschätzen
Und natürlich sind da auch noch all die anderen Verkehrsteilnehmer unterwegs.
Ganz ehrlich: Der Straßenverkehr wird tatsächlich nicht einfacher.
Gerade in großen Städten kann man ihn durchaus als eine Art mobilen Großstadt-Dschungel bezeichnen.
Vielleicht hast du das auch schon als Fußgänger erlebt. Der Verkehr wirkt hektisch, schnell, manchmal unfair oder sogar gefährlich.
Da ist es verständlich, dass die Motivation, sich selbst ans Steuer zu setzen, nicht unbedingt riesig ist.
Wenn dann noch negative Erfahrungen dazukommen
Manchmal entstehen Ängste auch durch bestimmte Erlebnisse.
Zum Beispiel:
eine unangenehme Erfahrung in der Fahrschule
ein ungeduldiger oder unsensibler Fahrlehrer
eine schwierige Situation im Straßenverkehr
ein Unfall oder Beinahe-Unfall
eine lange Fahrpause nach dem Führerschein
Viele Menschen beginnen dann, das Autofahren mit Stress oder Gefahr zu verbinden.
Dabei sollte man deine Gefühle unbedingt ernst nehmen.
Lass dir von niemandem einreden, dass du dich „anstellt“, zu empfindlich bist oder ein Angsthase.
Angst ist eigentlich etwas Gutes
Angst ist grundsätzlich nichts Negatives.
Sie gehört zu unserem Überlebenssystem und war – und ist – in vielen Situationen wichtig und hilfreich.
Nur eben nicht unbedingt dort, wo wir uns eigentlich wünschen würden, ruhig und sicher zu sein.
Ein kleiner Side-Fact:
In Deutschland werden täglich Milliarden Kilometer im Straßenverkehr zurückgelegt.
Und die überwältigende Mehrheit dieser Fahrten verläuft völlig problemlos. Statistisch gesehen passieren auf über 99,999 % der gefahrenen Kilometer keine Unfälle oder besonderen Ereignisse.²
Unser Gehirn nimmt mögliche Gefahren allerdings oft viel stärker wahr als die vielen Situationen, in denen alles gut läuft.
Was in deinem Gehirn passiert
Eine wichtige Rolle spielt dabei deine Amygdala – eine Struktur im Gehirn, die stark an der Verarbeitung von Angst beteiligt ist.
Sie reagiert auf mögliche Gefahren oft schneller, als dein Verstand sie überhaupt bewusst einordnen kann.
Wenn deine Amygdala Alarm schlägt, reagiert dein Körper mit Stress:
dein Herz schlägt schneller
deine Atmung beschleunigt sich
Muskeln spannen sich an
deine Aufmerksamkeit richtet sich plötzlich stark auf mögliche Gefahren
Während du also im Auto sitzt, kann es passieren, dass du plötzlich das Gefühl bekommst, die Kontrolle zu verlieren oder dass gleich etwas passieren könnte.
Gleichzeitig ist dein präfrontaler Kortex, der Teil des Gehirns, der für logisches Denken zuständig ist, in solchen Momenten weniger aktiv.
Entscheidungen fallen schwerer, und manchmal vergisst man Dinge, die man eigentlich längst gelernt hat.
Wenn man eine besonders unangenehme Situation einmal erlebt hat, merkt sich das Gehirn diese Erfahrung sehr gut.
Es verknüpft Autofahren schneller mit Gefahr – selbst dann, wenn objektiv gar keine reale Bedrohung bestanden hat.
Das bedeutet aber nicht, dass etwas mit dir nicht stimmt.
Dein Körper versucht einfach, dich zu schützen.
Veränderung ist möglich
Wenn wir verstehen, was in unserem Körper und Gehirn passiert, ist das oft schon ein wichtiger erster Schritt.
Viele Methoden setzen genau hier an: beim Umgang mit Stress, mit Gedanken und mit einem Nervensystem, das gerade Alarm schlägt.
Und zum Schluss möchte ich dir noch etwas Wichtiges mitgeben:
Unser Gehirn ist lern- und anpassungsfähig.
Das nennt man Neuroplastizität.³
Neue Erfahrungen können alte Angstreaktionen verändern – und mit der Zeit sogar auflösen.
Viele Menschen gewinnen Schritt für Schritt mehr Sicherheit im Straßenverkehr, wenn sie lernen, mit Stress und Angst anders umzugehen.
Wenn dieser Artikel dir hilft, deine eigenen Erfahrungen ein wenig besser zu verstehen, freuen wir uns sehr.
Vielleicht findest du auf GoMovi auch weitere Impulse und Übungen, die dich auf deinem Weg zu mehr Ruhe und Sicherheit im Straßenverkehr unterstützen können.
Wir wünschen dir eine gute und sichere Fahrt!
Häufige Fragen zum Thema Fahrangst
Ist Angst vor dem Autofahren ungewöhnlich?
Nein. Viele Menschen erleben zumindest gelegentlich Unsicherheit oder Nervosität beim Autofahren. Manche fühlen sich nur in bestimmten Situationen unwohl, zum Beispiel auf der Autobahn oder im dichten Stadtverkehr. Andere vermeiden das Autofahren komplett. Fahrangst ist also kein seltenes Phänomen und viele Menschen kennen dieses Gefühl.
Woher kommt Angst vor dem Autofahren?
Fahrangst kann viele verschiedene Ursachen haben. Manchmal entsteht sie durch eine stressige Erfahrung in der Fahrschule, einen Unfall oder eine unangenehme Situation im Straßenverkehr. Auch Kritik von anderen oder eine lange Fahrpause können dazu führen, dass sich Unsicherheit entwickelt. In manchen Fällen gibt es jedoch keinen klaren Auslöser – die Angst entwickelt sich einfach mit der Zeit.
Kann man Fahrangst überwinden?
Viele Menschen berichten, dass sich ihre Unsicherheit mit der Zeit verändert hat und sie mehr Vertrauen in ihre Fähigkeiten entwickeln konnten. Übung, positive Erfahrungen und ein besseres Verständnis für die eigenen Stressreaktionen können dabei helfen. Jeder Mensch geht dabei seinen eigenen Weg und entwickelt Sicherheit in seinem eigenen Tempo.
Welche Situationen machen Menschen beim Autofahren am meisten Angst?
Viele Menschen haben nicht grundsätzlich Angst vor dem Autofahren, sondern vor bestimmten Situationen. Dazu gehören zum Beispiel Fahrten auf der Autobahn, dichter Stadtverkehr, Einparken, schwierige Kreuzungen oder auch die Fahrprüfung. Diese Situationen können besonders stressig wirken, weil viele Dinge gleichzeitig passieren.
Ist es schlimm, wenn ich nach dem Führerschein lange nicht gefahren bin?
Das kommt häufiger vor, als viele denken. Wenn man längere Zeit nicht gefahren ist, kann sich das Autofahren zunächst ungewohnt oder unsicher anfühlen. Mit etwas Übung und Zeit können sich viele Abläufe jedoch wieder vertraut anfühlen.
Was passiert im Körper, wenn man Angst beim Autofahren hat?
Angst aktiviert das Stresssystem des Körpers. Der Herzschlag wird schneller, die Atmung verändert sich und die Muskeln spannen sich an. Gleichzeitig richtet sich die Aufmerksamkeit stärker auf mögliche Gefahren. Diese Reaktion ist grundsätzlich ein natürlicher Schutzmechanismus des Körpers.
Wann kann es sinnvoll sein, sich Unterstützung zu suchen?
Wenn die Angst sehr stark ist oder dazu führt, dass Autofahren vollständig vermieden wird, kann es hilfreich sein, Unterstützung zu suchen. Je nach Situation können Gespräche, Fahrpraxis oder auch professionelle Begleitung dabei helfen, neue Sicherheit zu entwickeln.
Kann ich auch unabhängig von der Fahrschule etwas gegen Fahrangst tun?
Neben praktischer Fahrpraxis kann es auch hilfreich sein, sich mit Stressreaktionen, Gedanken und mentalen Strategien auseinanderzusetzen. Manche Menschen profitieren davon, ihre eigenen Reaktionen besser zu verstehen und Methoden zu lernen, um mit Stress im Straßenverkehr ruhiger umzugehen.
Wenn du Angst vor Fahrstunden hast, lies unbedingt diesen Artikel :

Quellen und weiterführende Informationen
¹ ScienceDirect – Studienübersicht zum Thema Fahrangst im Straßenverkehr
² Statistisches Bundesamt – Verkehrsunfallstatistik und Verkehrsleistung in Deutschland
³ NCBI Bookshelf – Informationen zur Neuroplastizität des Gehirns


